Veröffentlicht am 30.09.2019 335 Aufrufe Share

Social Ads sind nichts Böses

Wer in diesem Wahlkampf auf Facebook unterwegs war, wird vor allem eines mitbekommen haben: Pamela Rendi-Wagner. Die SPÖ-Vorsitzende gab mit Abstand am meisten Geld für Facebook Ads aus. Und auch, wenn euch manche Journalisten sicher etwas Anderes einreden wollen: Ich glaube, das ist gut so. Dafür gibt's zwei unterschiedliche Argumente:

Das normative Argument: Politiker müssen dort kommunizieren, wo die Wähler sind. Niemand hat etwas davon, wenn die SPÖ nur im FALTER inseriert - außer der FALTER natürlich. Aber ein Wahlprogramm muss massentauglich kommuniziert werden, um für die Partei Erfolg zu bringen und dem Bürger Orientierung zu ermöglichen. Nicht nur die Medien, auch die politischen Kommunikatoren selbst tragen ihren Teil dazu bei, dass die Bürger informiert zur Wahl geben und dass Wahlen frei und fair ablaufen. Eine schlechte Kommunikationsstrategie ist somit nicht nur schlecht für Parteien, sondern auch schlecht für die Bürger und die Demokratie.

Das professionelle Argument: Wie jedes Unternehmen, jede Person des öffentlichen Lebens und sowieso jeder, der für etwas wirbt, braucht es die richtige Mischung aus Medien, um die richtige Zielgruppe zu erreichen. Niemand wird alleine mit Inseraten erfolgreich sein, niemand alleine mit TV-Werbung, niemand alleine durch Facebook Ads. Ich halte Social Media-Werbung für ziemlich überlegen, was Preise pro Resultat, Zielgenauigkeit, Anpassungsfähigkeit und Monitoring angeht - aber selbst, wenn man diese Meinung nicht teilt, kann man nicht ignorieren, dass rund 4 Millionen Österreicher auf Facebook sind. Das wäre absolut fahrlässig.

Ich weiß, dass manche das anders sehen. In "traditionellen" Medien wird oft insinuiert, dass die Politik doch in "Qualitätsmedien" zu inserieren habe. Damit ignorieren sie beide oben genannten Argumente, aber wer kann es ihnen verübeln? Es geht um Eigennutz. Viele Medien sind von Inseraten abhängig, oft spricht man von Gefälligkeitsjournalismus dank Inseraten. Natürlich wollen sie. Und natürlich reden sie die Konkurrenz schlecht, die eine wesentlich bessere Reichweite bietet. Aber die richtige Lösung dafür wäre nicht, nicht mehr in Social Media zu investieren - sondern eine Medienpolitik zu schaffen, die Medien aus der Abhängigkeit von (Polit-)Inseraten befreit.

Als Social Media-Berater und als Bürger hoffe ich jedenfalls, dass Social Media in der Politik auch nach der Nationalratswahl 2019 weiter professionalisiert. Rendi-Wagner ist das nicht immer gelungen - aber der Gedanke war auf jeden Fall richtig.