Veröffentlicht am 25.07.2019 569 Aufrufe Share

Wie Kurz Krisen meistert


Wahlkampf ist. Oder zumindest Vorwahlkampf. Auf jeden Fall ist schon die Zeit der Spins, aber man könnte anmerken: Wann ist die in Österreich nicht? 

Egal welche Zeit jetzt wirklich ist - es ist Zeit, sich wieder mit Spins zu beschäftigen. In den nächsten Tagen schreibe ich hier über die Ablenkungstaktiken von Politikern.

Ein kurzer, aber wichtiger Disclaimer noch: Warum sollte mich das interessieren? Die Antwort ist: Weil wir alle unsere Stimme abgeben müssen und eine der wenigen direkten Möglichkeiten nutzen, unser Land in eine gewisse Richtung zu lenken. Dabei lesen die wenigsten Menschen Programme, es geht in der Regel nicht um Inhalte. Sondern eben um Spins. Umso wichtiger ist es, zu erkennen, welche Spins wie funktionieren - und wie Politiker von Dingen ablenken, über die wir nicht zu viel nachdenken sollen.

Die nächsten Tage wird es einige Beispiele dafür geben, aber fangen wir mit dem besten an, weil aktuell: Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Sebastian Kurz - Wie macht er das?

Sebastian Kurz ist vermutlich der Beste darin, mediale Krisen von sich zu weisen. Wie viele in kurzer Zeit passiert sind, zeigt dieses Posting im STANDARD-Forum, das gerade auf Social Media die Runde macht:


Warum bleibt davon nichts hängen? Warum genießt Kurz noch immer so hohe Beliebtheitswerte? Warum schreiben Medien nach wie vor vom "Messias?" (Übrigens nur mit einer gefährlichen Halb-Ironie: Wie bei den "Einzelfällen" der FPÖ, die mittlerweile so oft so genannt wurden, dass man wieder unironisch von Einzelfällen spricht. Auch ein PR-Triumph für die Freiheitlichen.)

Die Antwort ist, dass sich längst ein Mechanismus herauskristallisiert hat, wie Kurz-Geschichten (pun not intended) in den Medien funktionieren.

Schritt 1: Die große Empörung

Die Dinge, mit denen wir uns nicht beschäftigen sollen, haben wir von Medien. In letzter Zeit v. a. vom FALTER, aber auch PRESSE und STANDARD sind hier positiv hervorzuheben.

Nach Aufkommen der Geschichte empören sich die Oppositionsparteien - die SPÖ immer ein bisschen später als der Rest - und viele Menschen in der Medienbranche. Man spekuliert, wie stark Kurz das Thema schaden wird. In dieser Zeit sagt das Team Kurz erstmal nichts.

Schritt 2: Die erste Stellungnahme

Ein bis zwei Tage später gibt es eine Stellungnahme dazu. Die Empörung ist schon ein bisschen abgeschwächt, weil alle darüber schlafen konnten - und da bringt Kurz eine fadenscheinige Erklärung, die immer gleich ist. Sinngemäß: "Alles ganz normal". 

Schritt 3: Das ewige Wiederholen

Die nächsten Tage oder Wochen - je nachdem, wie groß das Thema ist - fragen Journalisten besonders oft und kritisch nach. Sebastian Kurz, woher kamen die 13 Millionen für den Wahlkampf? Sebastian Kurz, was war auf den Festplatten? Und die Antwort ist immer die gleiche: Alles ganz normal. Dieses unwürdige Wiederholen offensichtlicher Spins überlässt Kurz meist irgendwelchen ÖVP-Minions wie Generalsekretär Karl Nehammer oder Ex-Medien- und Europaminister Gernot Blümel. 

Schritt 4: Die große Entpörung

Nach einigen Wochen wurde oft genug gefragt, und es gibt neue Themen. Niemand redet mehr über die 13 Millionen, die die ÖVP für den Wahlkampf zu viel ausgegeben hat. Man weiß, wie die offizielle Stellungnahme lautet. Man merkt zwar irgendwo, dass sie einfach nicht stimmt oder zumindest die wichtigen Teile der Wahrheit verschweigt - aber "was soll man machen?"

Ausblick und Fazit

Genau dasselbe wird sich auch in der Causa Reisswolf zeigen. Der offizielle Kurz-Spin: Das ist ein ganz normaler Vorgang, der Mitarbeiter habe sich entschuldigt, damit sei alles gesagt. Ähnlich wie in der Causa Wahlkampf: Wir haben die Strafe gezahlt, damit ist alles erledigt. Keine Antwort auf berechtigte Fragen nach den Hintergründen. Das Thema wird mit den langweiligsten, fadenscheinigsten und irgendwo auch dreistesten Spins gekillt.