Veröffentlicht am 18.06.2018 426 Aufrufe Share

Trump vs. Kim - Wer hat gewonnen?

Nach dem historischen Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem koreanischen Diktator Kim Jong-un geistern mal wieder die Hot Takes durch's Internet. Der Mainstream der veröffentlichten Meinung scheint zu sein, dass der Summit nichts gebracht habe.

Anders sieht das naturgemäß vor allem einer: Donald Trump selbst. Er meint "It went better than anyone could have expected". Und ich hasse es, das zu sagen, aber ich glaube, hier stimme ich ihm zu. Here's why.

Was bleibt vom Trump-Kim-Summit?

Die Kritiker sagen: Nichts. Und das ist auch so, wenn man es formell betrachtet. Zwar wurde die Schließung einer nuklearen Testanlage in Nordkorea angekündigt und über "Denuklearisierung" gesprochen - aber ein echtes Abkommen im Sinne messbarer Ziele und Deadlines gibt es nicht.

Das macht aber gar nichts. Das Ziel des Treffen zwischen zwei Machthabern, die sich vor wenigen Monaten noch gegenseitig mit nuklearer Auslöschung drohten, muss nicht in so kurzer Zeit ein so detailliertes Vertragswerk zustande bringen. Denn in der Diplomatie speziell und in der internationalen Politik generell spielen Zusagen, Ankündigungen und freundliche Gespräche eine große Rolle. Das sollte man nicht unterschätzen.

Woran hätte man Obama gemessen?

Zu sagen, dass der Summit nichts gebracht habe, ist nicht nur eine lästige, bürokratische Argumentation - sie dürfte auch sehr auf die Personen konzentriert sein. Welche Erwartungen hätte man von einem Treffen zwischen Obama und Kim gehabt? Die Handshake-Videos und Lippenbekenntnisse hätten hier wohl gereicht. Es ist die Person Trump, die uns glauben macht, dass da nichts weitergehen kann und dass da irgendwie nichts gut sein kann.

Mich nervt das auch. Es ist schwer, zuzugeben, wenn einer der weniger geschätzten Politiker mal einen Punkt hat. Aber gerade angesichts der Vergangenheit der beiden exzentrischen Staatschefs lassen sich Lippenbekenntnisse und Handshakes durchaus sehen.

Was Kim davon hat

Ein zweiter Kritikpunkt ist, dass Kim Jong-un der große Gewinner des Treffens sei. Und dem kann ich was abgewinnen. Der, der bei uns seit Jahren als "irrer Kim" in der Zeitung steht, der für Menschenrechtsverletzungen und Hinrichtungen bekannt ist und dessen Land quasi der Inbegriff der sozialistischen Diktatur ist, hat sein Image aufpoliert. Er ist Verhandlungspartner des mächtigsten Mannes der Welt. Sie verhandeln "auf Augenhöhe". Das werden auch nordkoreanische Medien nicht müde, zu betonen.

Genau wie auch auf Trumps Seite kann man es auch bei Kim so sehen, dass er nichts Konkretes von diesem Treffen hat. Allerdings sind der Imagegewinn und das scheinbar gute Verhältnis zu Trump schon etwas wert - unter anderem heißt das, dass der Wille nach einem restriktiven Nordkorea-Kurs (z. B. durch mehr Sanktionen) schwach ist, und dass die USA Nordkorea nicht mehr als akute Bedrohung wahrnehmen. Das ist ein Riesenerfolg.

Kim fühlt sich am Ziel

Das Interesse Nordkoreas war immer - auch schon unter Kim Jong-uns Vorgängern - die nationale Sicherheit im Sinne von Freiheit von Imperialismus. Die Erfahrung der Okkupation durch die Japaner zwischen 1910 und 1945, der Koreakrieg, aber auch die Beobachtung der US-Außenpolitik z. B. im Irak oder Libyen haben die nordkoreanische Führung glauben lassen: Das Beste ist es, bedrohlich zu wirken und einen Krieg zu vermeiden - so lange, bis wir ihn wirklich führen könnten.

Jetzt ist Nordkorea nah genug daran, einen ernsthaft gefährlichen Atomkrieg führen zu können. Einen "All-in-war". Ein Spiel, in dem er einzig gute Zug ist, es nicht zu spielen (hier mehr dazu). Und jetzt ist man bereit, zu verhandeln und nett zu sein. Denn man weiß, dass man im Notfall die Bombe schicken könnte - das "Gleichgewicht des Schreckens" schützt Nordkorea ab jetzt. Also spielt Kim den Netten. Und bemüht sich um eine okaye Beziehung zu denen, die früher Feinde waren.

Die Downside des Deals

Im Endeffekt haben beide Seiten bei diesem Summit gewonnen, Kim sieht sich aber selbst als Gewinner. Der einzige "Nachteil", wenn man ihn so sehen will: Die Diktatur Nordkoreas ist jetzt auch wirklich Sache Nordkoreas. Die potentiellen Auslöschungsszenarien sind vom Tisch, alles was jetzt bleibt, ist Bürokratie und "soft power".

Ohne Intervention von außen sind die Nordkoreaner ihrem Machthaber ausgeliefert. Vielleicht aber kommt ja die Veränderung jetzt, wo man sich nicht mehr hauptsächlich um die Bombe kümmern muss. Ich wage es allerdings zu bezweifeln.