Veröffentlicht am 07.06.2017 698 Aufrufe Share

Kärnten fördert Pseudowissenschaft

Es gibt eigentlich bei jeder Partei gute Gründe, sie nicht zu wählen. Bei den Grünen ist es für mich die Wählerschicht. Nicht nur, dass mir "Bobos" unsympathisch sind. Diese Leute, die noch nie was von Verbrechen mitgekriegt haben, aber von den Lehrer-Eltern eine Wohnung in Neubau finanziert haben und meinen, mit Gendern und Umweltschutz rettet man die Welt. Es sind auch die Leute, die einfach nur wissenschaftsfeindlich sind. Und jetzt haben die Grünen das wieder bewiesen.

In einer langweiligen Presseaussendung feiern sich die Kärntner Grünen nämlich dafür, dass die sogenannte "Misteltherapie" von der Gebietskrankenkassa finanziert wird. Weiterhin. Denn schon die letzten zehn Jahre hat das Land Kärnten diese gefördert. Das hat der Landtag nun einstimmig beschlossen.

"Das gemeinsame Bekenntnis sowie der einstimmige Beschluss im Gesundheitsausschuss des Kärntner Landtags sind ein Beweis dafür, dass wir bei wichtigen Themen und Anliegen parteiübergreifend an einem Strang ziehen und uns für die Kärntnerinnen und Kärntner einsetzen."

Ob es wirklich so gut für die Kärntnerinnen und Kärntner ist, wenn sie mit Misteln behandelt werden? Auf misteltherapie.at wird zumindest angesprochen, dass man die Therapie auch unterstützend zu einer Chemotherapie verwenden kann. Meine Sorge ist aber, dass viele im Glauben, dass diese aus öffentlichen Mitteln geförderte Therapie eine echte Behandlung ersetzen kann. Die Grünen schreiben:

 "Das Einsparungspotential durch die Nichtfinanzierung der Misteltherapie für die Kärntner Gebietskrankenkasse beläuft sich auf etwa 70.000,- Euro. Auch wenn der Chefarzt der GKK im heutigen Ausschuss nicht plausibel erklären konnte, wieso die Finanzierung der Misteltherapie eingestellt wurde, wurde diese Entscheidung damit begründet, dass diese Therapie den Krebs nicht heilen könne. Dies obwohl viele anerkannte OnkologInnen und viele KrebspatientInnen davon überzeugt sind, dass die Misteltherapie ein wesentlicher Bestandteil der Komplementärmedizin der Onkologie ist. Diese Therapie kann die Lebensqualität von KrebspatientInnen entscheidend verbessern"

Laut Wikipedia ist die Misteltherapie "pseudowissenschaftlich" und die therapeutische Wirksamkeit konnte nicht festgestellt werden. "Die Anwendung der Mistel in der Tumortherapie hat weder eine traditionelle noch eine experimentelle Grundlage, sondern leitet sich aus Anschauungen Steiners ab, der unter anderem auf die Analogie zwischen dem parasitären Wachstumsmuster der Mistel und dem Tumor hinwies."

Auf misteltherapie.at werden auch "klinische Studien" zitiert. Seit 1980 wurden demnach 30 Studien durchgeführt, insbesondere vier seien dabei hervorzuheben. 30 Studien in 37 Jahren, von denen vier das gewünschte Ergebnis aufzeigen - das ist kein Standard, der dem Begriff "Medizin" oder auch nur "Therapie" würdig ist.

Im Prinzip beruft sich die Misteltherapie also auf "Forschung", die irgendwo zwischen "methodisch fragwürdig" und Voodoo liegt. Auch die Anleitung des Begründers klingt eher wie aus Asterix und Obelix:

1920 diktierte Steiner, wie Gemische aus Sommer- und Wintersaft der Mistel nach anthroposophischer Intention herzustellen seien: Der Extrakt soll im Winter, möglichst zu Weihnachten, und im Hochsommer Ende Juni hergestellt werden. Dann soll der Sommersaft in den in einem rotierenden Gefäß befindlichen Wintersaft herunterfließen. Mit zunehmender Umdrehungsgeschwindigkeit des Rotationsgefäßes nehme die Wirksamkeit des Mittels zu. Damit die Wirkkräfte nach dem Zentrifugieren nicht verloren gingen, habe Steiner empfohlen, die Mischung möglichst in einer Tierblase aufzubewahren.

Und die Grünen brüsten sich jetzt damit, dass so etwas zehn Jahre lang vom Land finanziert wird. Das begründen sie unter anderem damit, dass es zu keiner "Zweiklassenmedizin" kommen dürfe - immerhin könnten sich viele Menschen diese Wurzeln nicht leisten. Guess what: Viele Leute zahlen auch für echte Medizin sehr viel. Und wenn man die noch dazu mit irgendwelchen Pflanzen bespaßt, die keine erwiesene Wirkung haben, ist das bei Krebspatienten unverantwortlich.

Natürlich muss man dafür auch die anderen Parteien im Landtag anpatzen, die dieser Finanzierung von Pseudowissenschaft zugestimmt haben. Die Grünen, die sich noch dazu damit brüsten, sind aber nicht zum ersten Mal damit aufgefallen. Auch der unreflektierte Widerstand gegen alles, was mit "Gentechnik" zu tun hat - viele Linke haben ein enormes Problem mit Wissenschaftsfeindlichkeit. "Alternative Heilmedizin" ohne Wirkung wird gefördert, während "Gen-Reis", der viele Menschen retten könnte, schlecht ist. Dasselbe Problem haben nicht nur die Grünen, sondern beispielsweise auch Greenpeace. Das ist kein politischer Zustand, den man einfach so hinnehmen sollte.

Im Wahlkampf sollte man die Grünen und alle anderen Parteien gerne auch nach ihrem Verhältnis zur Wissenschaft und zur Pseudowissenschaft fragen. Denn wenn es die Grünen auch im Bund so halten wie ihre Kärntner Kollegen, werden sie sich die Bobo-Fraktion zwar halten - aber vielleicht werden sie dafür auch zurecht abgestraft.

(Hiermit sind die Grünen in Kärnten sowie der gesamte Kärntner Landtag übrigens für das "Goldene Brett vorm Kopf" nominiert. Ich denke, sie haben gute Chancen.)