Veröffentlicht am 11.05.2018 512 Aufrufe Share

Helft mir, meine Bubble zu sprengen!

Vor Social Media war das Internet anders. Nicht unbedingt besser - unschönes Webdesign, schlechte Sicherheitsstandards usw. Aber es war "aufgesplitterter". Und das will ich ein bisschen zurück.

Mein Nutzungsverhalten hat sich stark verändert im Vergleich zu den Zeiten, als sich das digitale Leben noch nicht auf 5-10 Websites konzentriert hat. Bevor alle nur noch zwischen Facebook, Twitter, irgendeinem Webmail-Client und vielleicht noch einem Medium ihrer Wahl hin- und herwechselten.

Damals bin ich "abgedriftet". Es war sehr leicht, irgendwo anzufangen und über die Verlinkungen auf ganz andere Sachen zu kommen. Man hängt in einem Forum ab, klickt auf einen Link, liest dann was auf Wikipedia nach, googelt dann was Anderes, und auf einmal ist es 3:00 Uhr früh und man weiß etwas über ein Thema, das man vorher noch nicht mal kannte.

Das vermisse ich ein bisschen. Und es ist schwer geworden, diese Erfahrungen zu machen, weil sich eben das Nutzungsverhalten auf einige wenige Websites beschränkt, die dafür quasi jeder nutzt. Die Foren, die man früher kannte, sind tot. Die Nischen, die früher schräge Seiten für kleine Gruppen von Leuten waren, werden jetzt von Leuten gefüllt, die für ihre eigene Bubble Podcasts machen.

Darum versuche ich, aus der Bubble auszubrechen. Und folge auf Twitter auch den Leuten, mit denen ich nicht einer Meinung bin. Das habe ich lange Zeit ziemlich radikal durchgezogen. Bis ich die, deren Diskussionsstil ich einfach nicht aushalte, irgendwann gemutet habe. Und auch, wenn ich wirklich versuche, die klugen Leute alle auf dem Schirm zu haben - irgendwie kommt mir das gleichgeschaltet vor.

Auf einmal geht's nur noch um Politik. Und um Politik-Politik. Nicht darum, welches Gesetz welche Folgen hat, sondern darum, welcher fast-wichtige Ex-Mitarbeiter von Politiker XY was getwittert hat und wie furchtbar das ist. Das ist langweilig. Und ich will das nicht mehr.

Also hab ich entschieden, auszumisten. Vor allem auf Twitter. Die, die eh immer nur dasselbe posten, werden einfach entfolgt.

Ich brauche die PR-Botschaften von Parteisoldaten nicht mehr zu lesen. Sie erreichen mich sowieso irgendwie.

Ich brauch den täglichen Skandal nicht mehr. Er ist die Aufregung nicht wert.

Ich brauch keine Leute mehr, die mir täglich die Selfies von irgendwelchen Influencern in die Timeline spülen. Das ist uninteressant.

Was ich wiederum wirklich sehen will sind Leute, die interessante Dinge posten. Interessant, das ist Politik abseits von Politik-Politik. Das ist Technologie, das sind die großen Game Changer wie KI, das sind futuristische Szenarien. Das ist Wirtschaft. Das ist Philosophie, das ist politische Theorie, das sind abstrakte Gedanken und das dürfen gerne auch die Meinungen derer sein, denen ich nicht zustimme. Genau das fehlt mir übrigens am meisten: Die g'scheiten Leute, mit denen man nicht einer Meinung ist, aber mit denen man ganz normal diskutieren kann.

Das ist auch der Grund, warum ich diesen Artikel schreibe. Hier kommt keine Pointe und nichts Neues. Ich will einfach nur wissen, wen ihr besonders interessant / folgenswert findet und warum. Horizont erweitern und so.

Wenn ihr also Accounts auf Social Media kennt, von denen ihr wirklich profitiert, die interessante Sachen posten und generell einfach cool sind, dann leitet sie mir weiter. Gerne auch aus anderen Gebieten, die ich nicht genannt habe, aber die ihr interessant findet. Und sehr gerne auch Leute, über die ich mich aufregen kann. Aber nicht, weil sie sich so deppert verhalten. Sondern weil sie Meinungen haben, die ich nicht teile, die sie aber gut begründen können.

Ich will einfach meine Bubble zum Explodieren bringen. Helft mir dabei.

Tipps gerne über das Kontaktformular, als Mail an derschett(at)gmail(punkt)com, auf Facebook oder auf Twitter.