Veröffentlicht am 10.11.2016 1199 Aufrufe Share

"Das sind doch alles Idioten" II

 

Kinda feels like Deja vu.

Im April diesen Jahres habe ich einen Beitrag mit dem Titel "Das sind doch alles Idioten" geschrieben. Es war der Tag des ersten Wahlgangs der österreichischen Bundespräsidentenwahl (die immer noch keinen Sieger hat). Der rechte Kandidat Norbert Hofer hatte gewonnen - und das war natürlich eine furchtbare Katastrophe. Und auf Facebook war man sich einig: 35 Prozent der Wähler haben falsch gewählt und sind Idioten.

Sieben Monate später wird Donald Trump Präsident. Und wieder ist man sich einig: Dabei handelt es sich um Dummheit. Denen hat wohl niemand gesagt, was die richtige Wahl ist. Jeder, der Trump gewählt hat, ist ein Sexist oder Rassist oder sonst was. Eh klar, tolle Analyse.

Der Sieg der Populisten hat viele Gründe, und Xenophobie, Rassismus und Sexismus gehören zweifelsohne dazu. Man braucht nicht leugnen, dass auf den Trump-Rallies in den USA Hitlergrüße gesehen wurden. Dennoch ist das nicht der einzige Grund, nicht Hillary Clinton zu wählen. Parteitreue zu den Republikanern zum Beispiel wäre noch einer. Oder der Eindruck, dass auch die Demokratin zum verhassten Establishment zählt, oder selbst Dreck am Stecken hat.

Mehr Gründe? Abstiegsangst. Sehnsucht nach den guten, alten Zeiten. Seit Jahren nicht mehr genug verdienen, und das trotz tollen Wahlversprechen alle vier Jahre. Das Gefühl, dass sich niemand mehr für einen interessiert, weil Politiker jetzt wichtigere Probleme haben. Das Wissen, dass jeder Kongressabgeordnete in den USA auf irgendeiner Scheiß Payroll steht und sich eher um seine Lobbys kümmert als um seine Bürger. Veränderung wollen. Oder schlicht und einfach: Ich mag den Typen einfach.

Auch, wenn's mir persönlich nicht gefällt und wenn ich, wie wohl die meisten Europäer, mit Bauchweh Hillary Clinton gewählt hätte: Jetzt noch schnell mit der Rassismus-Keule in die USA zu schlagen, wäre zu einfach. Virale Postings im Internet erklären das manchmal besser als jede Wählerstatistik:

 

Oder vielleicht dieses hier:

 

Es ist überall dasselbe: Politiker schaffen es nicht ausreichend, das Leben von Menschen zu verbessern. Ihre ersten und zweiten Reihen fallen durch Korruption, Faulheit oder Kompromisse auf. Der Eindruck, dass Politik ihre Wichtigkeit und Macht verliert und eigentlich von Grund auf schlecht ist, verstärkt und verstärkt sich. Also wählen die Menschen etwas Anderes. Um dann schnell wieder als Rassisten, Sexisten und sowieso dumme Menschen bezeichnet zu werden.

Und jetzt haben wir Präsident Trump. Donald - fucking - Trump. Wie viele Populisten ohne Erfahrung und Qualifikation müssen wir noch an die Macht kommen lassen, bevor wir mit diesem arroganten "Soll der Pöbel gefälligst richtig wählen" aufhören? Warten wir, bis Frankreich nächstes Jahr Le Pen in die Hände fällt? Oder zeigen wir weiter auf die Frustrierten und lachen über sie, posten satirische Kommentare mit "einself" und Großbuchstaben und tun so, als wären wir umgeben von Nazis?

Wir hättens in der Hand. Aber wir scheinens nicht zu lernen. Diese Arroganz, diese vereinfachten Erklärungen und dieses lächerliche "Verarbeiten" unliebsamer Wahlergebnisse sind genau der Grund, warum die Donald Trumps dieser Welt an die Macht kommen. Wir alle hättens in der Hand. Aber ihr werdet wohl weiter schreien: "Das sind ja alles Idioten". Und ihr macht mich einfach nur krank.

 

 

 Bild von DonkeyHotey auf Flickr (Kommerzielle Nutzung und Änderungen erlaubt)