Veröffentlicht am 02.01.2018 1012 Aufrufe Share

18 Dinge, die man auch 2018 jeden Tag erklären muss

1.     Meinungsfreiheit: Ja, sie trifft auch auf dich zu, die Meinungsfreiheit. Das heißt aber nicht, dass dir niemand widersprechen darf. Vermutlich gibt es sogar sehr gute Gründe dafür.

2.     Meinungszwang: Is not a thing. Klar, es gibt in gewissen Milieus gewisse Einheitsmeinungen, und das ist nicht immer schön. Aber solange dir niemand verbietet, eine Meinung zu äußern - und das kann im Wesentlichen nur der Staat, wenn überhaupt -, ist es kein Meinungszwang. Wenn dir viele Leute widersprechen, deal with it.

3.     Satire: darf alles. Ja, auch das was du gar nicht magst. Nein, dein Einwand ist nicht berechtigt. Sie darf.

4.     Die Politik: Ist nicht gleich "die Politik". Nicht jeder Politiker ist in gleichem Ausmaß an jedem Problem Schuld, das du in deinem Leben hast. Manche versuchen vermutlich sogar ehrlich, etwas daran zu ändern. Finde raus, wer scheiße ist und wer nicht. Aber schimpf nicht gegen "die Politik". Das ist lächerlich.

5.     Politiker: Sind überhaupt nicht so ein ehrenloser Haufen, wie es oft den Anschein hat. Wenn du über "die Politiker" sprichst, ohne drei konkrete Beispiele nennen zu können, welches Verhalten oder welche Position dich an welchem Politiker nervt, dann solltest du nochmal überlegen, ob das gerechtfertigt ist.

6.     Politikwissenschaftler: Machen keine Ausbildung zum Bundeskanzler. Der letzte studierte Powi als Kanzler war Gusenbauer. Das war nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Am besten versuchst du erst gar nicht, zu verstehen, was alles in dieses Studium gepackt wird. Nein, wir wissen nicht, was wir beruflich machen werden. Go on.

7.     Journalismus: Ist mehr als Clickbait-Headlines, Ad-Block-Blocker und "Irgendwer im Internet hat was Deppertes gesagt"-Artikel.

8.     Medien: Sind mehr als Zeitungen. Ja, Fernsehen ist auch ein Medium. Ja, auch Radio-Journalisten sind Journalisten. Ja, es gibt auch Leute, die ihre Dinge hauptsächlich online stellen, ohne was für die Generation ohne Computer zu veröffentlichen. It's a thing. Also sagt nicht, dass ich bei einer Zeitung bin.

9.     Filter Bubbles: Gibt es, aber übertreib nicht. Es ist wahrscheinlich, dass man auf Social Media das sieht, was man sehen will - aber das liegt nicht nur an den bösen Algorithmen, sondern auch daran, dass Menschen das nun mal gern tun. Oder mit wie vielen Leuten, die in jeder Hinsicht das Gegenteil von dir sind, hängst du rum?

10.  NLP: Ist keine böse Sekte, bei der ausschließlich junge, rechte Männer lernen, wie sie die Öffentlichkeit zu hilflosen Marionetten machen. Ja, das klingt absurd. Aber es gibt Menschen, die das glauben. Die sitzen in Redaktionen und schreiben das dann mehr oder weniger so. Sie sind nicht sehr klug.

11.  Digitalisierung: Muss man "als Chance nutzen". Wobei kein Politiker weiß, was das heißen soll. Aber bis sie es wissen, ist die Digitalisierung vermutlich abgeschlossen und wir können ihre Erkenntnisse aus ihrem Gehirn runterladen. Bis dahin ist alles irgendwie schwierig, vor allem für Ältere am Arbeitsmarkt, und irgendwie lohnt es sich, programmieren zu lernen.

12.  Mein Account: Ist ein privater. Ja, natürlich ist das mit "privat" schwierig, wenn man bei einem Medium arbeitet. Aber nein, das bedeutet immer noch nicht, dass jede meiner belanglosen Meinungsäußerungen zum Alltag ein journalistisches Produkt ist. Es bedeutet auch nicht, dass jeder, mit dem ich irgendwann mal was zu tun hatte, diese Meinung teilt oder überhaupt okay findet. Und genau so werde ich auch deinen Account behandeln. Als privaten.

13.  Dein Aktivismus: Ist vermutlich wirklich ehrenhaft. Es ist cool, wenn Leute sich politisch engagieren. Aber wenn ihr jeden Tag fünf Statements zu aktuellen Themen rausballert und sagt, wie eure Partei (oder "Bewegung") dazu steht und warum man X tun soll ... darfst du dich nicht wundern, wenn dich irgendwann jeder mutet. (Trust. Ich spreche aus Erfahrung.)

14.  Feminismus: Ist irgendwas mit "Frauen gleich wie Männer". Es ist egal, ob es nicht eher "equalitarianism" oder "humanism" heißen sollte, und es ist egal, was irgendeine depperte getwittert hat, die sich auch Feministin nennt. Wenn du der Meinung bist, dass Männer und Frauen gleiche Chancen haben sollten, dann stell dich nicht so an.

15.  Links und rechts: Sind weitgehend unbrauchbare Begriffe. Doch, sind sie, lieber Linker. Man kann "wirtschaftspolitisch" links oder rechts sein, man kann "gesellschaftspolitisch" links oder rechts sein, aber eine Person mit ernsthaften politischen Ansichten wird es kaum schaffen, ihre 600 Positionen in einem binären Schema unterzubringen. Sei einmal leiwand und lass Leute ihre Meinung haben, ohne dass sie sie ideologisch begründen müssen.

16.  Identity Politics: Nervig und unnötig. Wenn man nur noch anhand von Dingen wie "Klasse", Geschlecht, Hautfarbe, Religion usw. ableitet, was denn die Interessen einer Person sind oder zu sein haben, macht das den Diskurs und die Demokratie kaputt. Und wenn Menschen nur noch "als Frau", "als Migrant" oder whatever wahrnimmt, wird man ihnen auch nicht mehr gscheit helfen können. Ist wurscht, ob man dabei auf der "guten" oder "schlechten" Seite steht. (Aber zum Stimmung machen im Wahlkampf reicht's immer noch ...)

17.  Die Welt: Wird insgesamt besser. Es leben immer weniger Leute in extremer Armut, die, die arm sind, haben mehr als Arme früher hatten, es gibt technologischen Fortschritt, grüne Energien werden in und es gibt sogar relativ wenige Kriege verglichen mit früheren Zeiten. Und in Österreich sind wir sogar von großen Terroranschlägen verschont geblieben. Es ist nicht alles schlecht, auch wenns manchmal so wirkt.

18.  Dieser Blog: Ist cool und du solltest ihn öfter lesen, wenn du rechthaberisches Irgendwas-mit-Politik-Geschreibsel gut findest. (Davor solltest du aber nochmal Punkt 12 beachten.)